Gefängnis Rummelsburg - Heimatverein Köpenick e.V.

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Exkursion Gefängnis Rummelsburg


Die langjährige Lichtenberger Museumsleiterin Christine Steer zeigte den interessierten Mitgliedern des Heimatvereins Köpenick die Entwicklung auf dem ehemaligen Gefängnisgelände in Rummelsburg. Begleitet wurde sie vom Zeitzeugen und politischen Häftling Hartmut Richter, der an dieses dunkle Kapitel der DDR-Geschichte erinnerte.


Nach Gründung der DDR übernahm das Innenministerium 1951 das Gelände und begann mit dem Ausbau zur "Strafvollzugsanstalt Berlin I" und der angeschlossenen "Untersuchungshaftanstalt I". Als "Leitgefängnis" unterstanden ihm die Frauengefängnisse in der Barnimstraße (1973 abgerissen) und in Köpenick sowie die "Untersuchungshaftanstalt II" im Polizeipräsidium Keibelstraße. In Rummelsburg saßen zehntausende Männer ein, hauptsächlich aus der DDR, aber auch Westdeutsche und einige Inhaftierte aus anderen, vor allem "nichtsozialistischen" Staaten. Offiziell gab es im DDR-Strafvollzug keine politischen Gefangenen. Doch nicht jeder, der nach den Gesetzen des Regimes angeklagt und verurteilt wurde, war ein Straftäter. Viele gerieten aus politischen Gründen in die Fänge der Justiz und erhielten hohe Strafen. 1963 begann der für den SED-Staat lukrative Freikauf politischer Häftlinge durch die Bundesrepublik. Die Zustände in der Haftanstalt waren erschreckend, die 900 Haftplätze mit zeitweise bis zu 2500 Inhaftierten ständig überbelegt. Sechs bis acht Häftlinge mussten sich die wenigen Quadratmeter einer Zelle teilen. Zwischen "Politischen" und "Kriminellen" wurde nicht unterschieden. Willkür, militärischer Drill, ein ausgeklügeltes Strafsystem sowie Missstände bei der Hygiene und Versorgung kennzeichneten die Haftbedingungen und dienten als Mittel, um politisch abweichendes Verhalten zu unterdrücken. Neben "staatsbürgerlichen Schulungen" hatte der in die zentralistische Planwirtschaft eingebundene Arbeitseinsatz Priorität. Als billige Arbeitskräfte waren die Häftlinge in Bereichen eingesetzt, in denen Arbeitskräftemangel herrschte und monotone, schwere körperliche oder gesundheitsgefährdende Arbeit verlangt war. Häufig kam es zu Arbeitsunfällen. Grundsätzlich galt das Prinzip der Einflussnahme und Kontrolle durch das DDR-Ministerium für Staatssicherheit auch für den Strafvollzug. Ende Oktober 1990 wurde die Haftanstalt Rummelsburg geschlossen und nach langem Leerstand ab 2007 zu einer Wohnanlage entwickelt.



Christine Steer (rechts) erläutert die Geschichte des Gefängnisareals in Rummelsburg


Familie Wachsmuth-Leege und Harry Treptau (Bildmitte) verfolgen interessiert die Ausführungen


Historikerin Christine Steer mit einem Lageplan des Geländes


Auch der stv. Vereinsvorsitzende Ralf Drescher (mit Schirm) ist unter den Zuhörern


Blick aufs Gefängnisareal, in dem sich heute Wohnungen befinden


Zeitzeuge Hartmut Richter (rechts) berichtet von seiner Haftzeit in Rummelsburg


Zahlreiche Teilnehmer hören Christine Steer (links) bei ihren interessanten und beklemmenden Schilderungen zu


Hartmut Richter und Christine Steer im Gespräch


Blick auf die zu Wohnzwecken umgebauten Gefängnisgebäude



Informationen zur Biografie von Hartmut Richter gibt es hier: www.stiftung-hsh.de

 
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